Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen

Häusliche Isolation und Quarantäne sind Ausnahmesituationen, welche die meisten Menschen noch nicht erlebt haben. Diese gesetzten Massnahmen können auf die Psyche einwirken und für Betroffene sehr belastend sein. Es gibt klare, wissenschaftlich erforschte und bewährte Verhaltensmaßnahmen und mentale Strategien, die es ermöglichen, diese Ausnahmesituation zu meistern.

Massnahmen gegen grosse Sorgen und Ängsten

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen (BÖP) hat dieses Informationsblatt auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnis erstellt, um Sie in Ihrer Selbsthilfe zu unterstützen, die aktuell herausfordernde Zeit gut zu überstehen. Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch ist anders, jede/r sollte sich die Empfehlungen übernehmen, die für ihn/sie am besten passen.

Beschränken Sie Ihren Medienkonsum!

Gestalten Sie den Medienkonsum in Bezug auf COVID-19 bewusst und limitieren Sie diesen.

Halten Sie sich von Panikmachern fern!

Setzen Sie Grenzen und verzichten Sie darauf, die massenweise kursierenden SMS, E-Mails, Videos, WhatsApp-Nachrichten und Meldungen auf sozialen Medien zu COVID-19 zu lesen.

Fokussieren Sie auf Positives!

Der Fokus auf positive Inhalte beruhigt und stabilisiert.

Nehmen Sie Ihre Gefühle wahr!

Nehmen Sie sich Zeit, um wahrzunehmen und auszudrücken, was Sie fühlen. Manche Menschen schreiben ihre Gefühle gerne nieder oder werden kreativ (z.B. malen, musizieren oder meditieren).

Sprechen Sie über Ihre Gefühle!

Wenn Sie das Bedürfnis verspüren, mit jemandem über Ihre Gefühle zu sprechen, dann wenden Sie sich an eine hilfreiche Bezugsperson. Sollte diese im näheren Umfeld nicht vorhanden sein, holen Sie sich professionelle Hilfe, z.B.

  • Die Dargebotene Hand Aargau/Solothurn-Ost ist anonym, kompetent und immer für Sie da: 143
  • Die Fachstelle Kompass bietet telefonische Beratungen für Eltern an:

Irma Bachmann: 032 624 49 50 Montag, Donnerstag, Freitag

Yolanda Andreoli: 032 624 49 51 Dienstag, Mittwoch

  • Der Elternelternnotruf seht Ihnen unter Nr. 0848 354 555 rund um die Uhr zur Verfügung.
  • Für Kinder und Jugendliche steht die Nummer 147 rund um die Uhr zur Verfügung. 
  • Die Schulsozialarbeit steht Ihnen ab 20. April wie gewohnt zur Verfügung. 

Sara Würgler: 079 475 61 49

Rahel Misteli: 079 475 65 51

Begrenzen Sie das Grübeln!

Zu viel grübeln ist kontraproduktiv, da es zusätzlichen Stress verursacht. Machen Sie etwas ganz Anderes, das Ihnen guttut, z.B. backen, lesen oder schreiben 

Führen Sie einfache Entspannungsübungen durch!

Angst und Entspannung kann nicht gleichzeitig passieren. Daher machen Sie Entspannungsübungen, diese reduzieren Ängste. Auch im Internet finden Sie Anleitungen für Entspannungsübungen.

Denken Sie daran, die Situation wird vorübergehen!

Es ist jetzt wichtig zu verstehen, dass der COVID-19-Ausbruch unweigerlich vorübergehen wird. Nutzen Sie einfache Möglichkeiten, um Ihr Erkrankungsrisiko zu vermindern, z.B. durch regelmäßiges Händewaschen und Vermeiden von engem zwischenmenschlichem Kontakt. Planen Sie Aktivitäten, die Sie nach dem Überstehen der Situation ausführen möchten.

Massnahmen im Umgang mit Kinder und Jugendlichen

  • Halten Sie die gewohnte Tagesstruktur ein.
  • Planen Sie klare Lern- und Freizeiten.
  • Definieren Sie klar abgegrenzte Stunden, in denen sich jede/r alleine beschäftigt.
  • Machen Sie gemeinsame Aktivitäten.
  • Ermöglichen Sie Rückzugsmöglichkeiten, um Konflikte zu verhindern bzw. zu reduzieren.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind körperliche Betätigung im Rahmen der aktuellen Möglichkeiten.
  • Erarbeiten Sie gemeinsam Regeln, wie die gewonnene Zeit bestmöglich genützt werden kann.
  • Limitieren Sie mit dem Kind gemeinsam die „Screen-Zeiten“ für Fernsehen, Mobiltelefon oder Computer.
  • Erklären Sie Ihrem Kind in altersgerechten Worten die aktuelle Situation.
  • Akzeptieren Sie, wenn Ihr Kind anhänglicher ist als sonst und kommen Sie diesem Bedürfnis Ihres Kindes nach. Es braucht gerade jetzt Sicherheit und Geborgenheit.
  • Verzichten Sie darauf, gerade jetzt große Erziehungsmaßnahmen zu setzen und sehen Sie möglichst von Strafen ab. Versuchen Sie ihr Kind durch Lob positiv zu verstärken und zu erwünschtem Verhalten zu motivieren.

Massnahme gegen Langeweile

  • Nehmen Sie sich täglich fixe Arbeiten vor.
  • Starten Sie „Projekte“, die Sie bisher aufgeschoben haben.
  • Auch kleine Arbeiten können jetzt erledigt werden.
  • Planen Sie genau ein Highlight pro Tag, auf das Sie sich freuen können.
  • Bleiben Sie in Kontakt mit Menschen, die Ihnen wichtig sind. Tauschen Sie sich über positive Inhalte aus und planen Sie gemeinsame Aktivitäten für die Zeit nach der Quarantäne.

Massnahmen gegen das Auftreten von Konflikten

  • Definieren Sie klar abgegrenzte Stunden, die jede/r für sich allein verbringt.
  • Ermöglichen Sie allen Familienmitgliedern Rückzugsmöglichkeiten.
  • Sprechen Sie Ärger an, noch bevor die Situation eskaliert.
  • Machen Sie alleine einen Spaziergang um den Häuserblock oder durch den Wald.
  • Machen Sie einen täglichen Familien-Mini-Krisenstab oder -Konferenz: Wie geht’s jedem/r Einzelnen, wer braucht was, welche Ideen und Wünsche haben die Einzelnen?
  • Seien Sie nachsichtiger als sonst, sich selbst und den anderen gegenüber! Es ist durchaus eine Herausforderung für alle Familien.
  • Holen Sie sich im Bedarfsfall professionelle Hilfe bei entsprechenden Hotlines oder Krisentelefonen wie: 

Elternelternnotruf: 0848 354 555

Die Dargebotene Hand: 143

Pro Juventute: 147

Massnahmen gegen Gewalt

Räumliche Enge, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, der Mangel an Intimität kann zu Aggression und Gewalt führen. Steuern Sie einer Eskalation der Situation aktiv und bewusst entgegen. Folgende Möglichkeiten dazu haben Sie.

Erkennen und benennen Sie Gewalt. Auch bei sich selbst!

Gewalt hat viele Formen: Schlagen, Anschreien, Abwerten, längeres Ignorieren… Seien Sie sich selbst gegenüber ehrlich und reagieren Sie wenn Sie merken, dass Sie selbst beginnen, vollkommen überfordert sind und in der Folge gewalttätig werden.

Telefonieren Sie zur eigenen Entlastung!

Telefonieren Sie mit einem Freund/einer Freundin und sei es nur, um mal wieder mit jemand anderem zu sprechen. Wenn möglich, gehen Sie in ein anderes Zimmer. Atmen Sie tief durch. Wenn das nicht reicht, wenden Sie sich an Krisentelefone wie: Elternelternnotruf: 0848 354 555 oder Die Dargebotene Hand: 143

Leben Sie Gewalt nicht aus!

Negative Emotionen, Anspannung und Aggressionen sind in Ausnahmesituationen normal. Es ist nicht schlimm, jemandem gegenüber aggressive Gefühle zu haben, gefährlich wird es erst, wenn man sie auslebt.

Wenn Gewalt passiert: Reden Sie!

Wenn Sie bemerken, dass andere Erwachsene zuhause gewalttätig werden – gerade gegen Kinder oder Jugendliche – reden Sie mit ihnen. Vielleicht sind Sie in dieser Situation der oder die einzige, der den Schutz des Kindes jetzt herstellen kann. Lassen Sie sich dabei unterstützen: von der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn: 062 835 47 90 oder Opferhilfe Schweiz

Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie von Gewalt betroffen sind!

Dasselbe gilt natürlich, wenn Sie selbst von Gewalt betroffen sind: Holen Sie sich Hilfe. Hier ist wichtig, dass Sie nicht allein bleiben. Sie sind nicht allein, auch wenn es gerade in einer Isolationssituation so erscheint. Holen Sie Hilfe: Bei Freunden, bei der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn oder bei massiver Gewalt auch bei Polizei 112!

  • Und vor allem: holen Sie sich rechtzeitig Hilfe!

2020-03-26, Rahel Misteli, Regionale Schulsozialarbeit Wasseramt Ost, RSSAWO


Quelle: Alle Inhalte dieser Information sind in Anlehnung an das Informationsblatt, „COVID-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen“, Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, Dietrichgasse 25, 1030 Wien – Siehe auch: https://www.boep.or.at/download/5e71d59d3c15c85df5000028/20200317_COVID-19_Informationsblatt.PDF

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